Weinernte 2026: Kleine Beeren, große Aromatik

von Alexandra Otto 16/09/2026
Nachrichten
Weinernte 2026: Kleine Beeren, große Aromatik

Früher Austrieb, zeitige Rebblüte und hohe Temperaturen haben die Reifeentwicklung der Trauben 2026 deutlich beschleunigt. Entsprechend früh hat heuer die Weinlese begonnen. Gleichzeitig führt die Trockenheit zu erheblich geringeren Erträgen: Erwartet wird eine Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern. Qualitativ stimmen die gesunden, reifen und kleinbeerigen Trauben jedoch zuversichtlich.

Mengenmäßig ist 2026 mit einer deutlich geringeren Weinernte zu rechnen als im Vorjahr und auch im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Nach den derzeitigen Rückmeldungen aus den Weinbaugebieten erwarten wir heuer eine Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern. Damit liegen wir um mehr als 30 Prozent unter der Vorjahresernte, denn die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren sind vielfach sehr klein und auch die Mostausbeute fällt entsprechend geringer aus.“, erklärt Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager. 

Während die Trockenheit die Erntemenge reduziert, sind die Aussichten auf die Qualität des Jahrgangs gut. Der geringe Krankheitsdruck ermöglicht die Ernte von durchwegs gesundem Traubenmaterial. Entscheidend ist heuer vor allem der richtige Lesezeitpunkt, um ein harmonisches Zucker-Säure-Verhältnis zu erhalten. Besonders die kleinen Beerendurchmesser prägen den Jahrgang, denn kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen. Gute Voraussetzungen sieht der Weinbaupräsident auch insbesondere für Rotwein: „Die kleinbeerigen, tiefdunklen und konzentrierten Rotweintrauben lassen dichte, vollreife Weine erwarten.“

Ausschlaggebend für die außergewöhnlich frühe Weinernte ist der Witterungsverlauf im Jahr 2026. Während der Wintermonate gab es noch einige Niederschläge und Frostphasen, bereits ab Ende April folgte eine Phase mit nahezu sommerlichen Temperaturen. Der Austrieb der Reben begann Mitte April. Trotz dieses frühen Rebaustriebs waren fast keine Spätfrostschäden zu verzeichnen. Die warme Witterung beschleunigte die weitere Entwicklung, sodass die Rebblüte bereits Ende Mai bzw. Anfang Juni einsetzte. Vielerorts zeichnete sich bereits Anfang Juni ein Niederschlagsdefizit ab. Mitte Juni setzte eine erste massive Hitzewelle ein, die zu einem raschen Vegetationsfortschritt führte. Abgesehen von vereinzelten Gewittern blieben ergiebige Niederschläge in den Weinbaugebieten aus. Besonders der Osten Österreichs war von extremer Trockenheit und Hitze betroffen. Temperaturen über 30°C waren während des heurigen Sommers über weite Strecken gang und gäbe.

Die Weinrebe als Dauerkultur ist mit ihren tiefen Wurzeln nicht so trockenheitsanfällig wie andere landwirtschaftliche Kulturen. Die heurige Trockenheit brachte jedoch auch die Weinreben an ihre vegetativen Grenzen. Besonders betroffen waren Junganlagen, deren Wurzelsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Teilweise wurden dort Trauben entfernt, um die jungen Stöcke zu entlasten. Das Ausmaß der Trockenheitsschäden in den einzelnen Weingärten wurde wesentlich von der Beschaffenheit und Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie von der Bewirtschaftung und Pflege während der Trockenperiode beeinflusst. Der frühe Austrieb, die zeitige Blüte und die hohen Temperaturen während des Sommers haben die Reifeentwicklung deutlich beschleunigt. Entsprechend früh hat die Weinlese begonnen. Im Seewinkel im Burgenland geht die Lese sogar bereits dem Ende zu. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die Hauptlese gestartet.