Weingärten sind mehr als Produktionsflächen, denn sie prägen Landschaften, schaffen Lebensräume und bilden die Grundlage für Weinqualität, die über Generationen weitergegeben wird. Genau hier setzt die Projektinitiative „Lebendige Weingärten“ der Winzer Krems an.
Bei einem Pressetermin stellte die Genossenschaft Winzer Krems konkrete Maßnahmen vor, mit denen Weingärten und angrenzende Flächen zukünftig ökologisch aufgewertet und widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit, Hitze und Erosion gemacht werden sollen. Unterstützt wurde das Projekt von der Stiftung „Blühendes Österreich“ mit rund 41.500 Euro - mit dieser Förderung wurden 150 Hektar Weingarten sowie angrenzende Böschungen gezielt ökologisch verbessert. Die Teilnahme war für die Mitgliedsbetriebe zwar freiwillig, stieß aber auf großes Interesse. Geschäftsführer Ludwig Holzer und Marketing- sowie Projektleiter Wolfgang Hamm betonten die Bedeutung, Naturschutz und Biodiversität im Weinbau aktiv voranzutreiben. Ziel sei es, die „Monokultur Weingarten“ aufzubrechen und die Kulturlandschaft rund um Krems langfristig zu stärken. Für die rund 600 Familienbetriebe, deren Trauben über die Genossenschaft vermarktet werden, ist der Boden oft seit Generationen Lebensgrundlage. Seine Erhaltung ist damit nicht nur ökologisches Anliegen, sondern auch wirtschaftliche Notwendigkeit.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf vielfältiger Begrünung, denn diese fördert das Bodenleben, senkt die Bodentemperatur, verbessert die Nährstoffversorgung der Reben und schützt vor Erosion. Gerade in Zeiten zunehmender Trockenheit und Hitze wird ein lebendiger Boden zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunft des Weinbaus. Obmann Florian Stöger brachte es auf den Punkt: Man könne in den eigenen Weingärten anfangen, um die Welt ein Stück besser zu machen. Die Stärkung der Biodiversität wirke sich letztlich auch positiv auf die Qualität der Trauben und Weine aus, ergänzte Holzer. Winzer Krems sieht sich dabei in besonderer Verantwortung. Die Genossenschaft vermarktet rund 1.200 Hektar Mitgliedsflächen in den Regionen Kremstal, Kamptal, Traisental und Wagram und gilt als größtes Nachhaltig-Austria-zertifiziertes Weingut Österreichs. Seit der durchgehenden Umsetzung im Jahr 2022 fallen rund zehn Prozent aller Nachhaltig-Austria-zertifizierten Betriebe des Landes in den Einflussbereich der Genossenschaft. Die kleinstrukturierte Kulturlandschaft dieser Regionen ist besonders wertvoll und zugleich besonders schützenswert.
Konkret wurden unter anderem Begrünungen, Baum- und Strauchpflanzungen sowie Nistkästen umgesetzt. Bei der Begrünung kam auf den eigenbewirtschafteten Flächen der Winzer Krems die Mischung „WeingartenPluss“ zum Einsatz, bestehend aus Inkarnatklee, Serradella, Buchweizen, Ölrettich, Winterwicke, Weißklee und Phacelia. Sie bedeckt den Boden rasch, schützt vor Erosion und bleibt auch wirtschaftlich vertretbar. Den Mitgliedsbetrieben wurde die Wahl der Saatgutmischung freigestellt, über die Förderung wurden 30 Prozent der Saatgutkosten refundiert. Zusätzlich wurden rund 1.000 Bäume und Sträucher gepflanzt, deren Kosten vollständig übernommen wurden. Zur Auswahl standen unter anderem roter Hartriegel, Haselnuss, Pimpernuss, Felsenbirne, Maulbeere, Feldahorn, Schneeball, Spindelstrauch, Eberesche, Elsbeere, Kriecherl, Mispel, Brombeere, Mandel und Weingartenpfirsich. Die Gehölze schaffen Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Arten, stabilisieren Ökosysteme und helfen, Wind- und Wassererosion zu mindern. Bei der Auswahl wurde bewusst darauf geachtet, keine Pflanzen zu verwenden, die potenzielle Schädlinge im Weinbau begünstigen könnten.
Auch 500 Nistkästen wurden den Betrieben kostenlos zur Verfügung gestellt. Gefertigt wurden sie in der Werkstatt der Caritas-Tagesstätte in Zwettl, fachlich beraten wurde die Genossenschaft von der Vogelwarte Seebarn am Wagram. Die Baupläne stammen von Birdlife Österreich. Gemeinsam mit der Vogelwarte läuft zudem ein Wiederansiedlungsprojekt für den selten gewordenen Steinkauz, der in Kulturlandschaften Mäuse und Insekten jagt und damit ein wertvoller Baustein eines intakten Ökosystems ist. Weitere Maßnahmen sind bereits angedacht. Steinhaufen an den Rändern von Weingärten bieten Reptilien wichtige Rückzugsräume und eignen sich besonders in den Terrassenlagen rund um Krems. Hier planen einzelne Betriebe zusätzliche Umsetzungen.
Dass das Projekt auf fruchtbaren Boden fällt, zeigt die positive Resonanz der Mitglieder. „Viele Betriebe verfügen bereits über ein starkes Bewusstsein für biodiversitätsfördernde Maßnahmen und haben das Projekt mit großem Interesse und Engagement aufgenommen“, sagt Julian Winter, der bei Winzer Krems für die Betreuung der Mitgliedsbetriebe zuständig ist. „Lebendige Weingärten“ zeigt damit, wie moderner Weinbau Verantwortung übernehmen kann: für gesunde Böden, vielfältige Lebensräume, stabile Kulturlandschaften und letztlich auch für die Qualität im Glas. Denn je lebendiger der Weingarten, desto stärker ist seine Zukunft.